25.4773Interpellation
Wasserverschmutzung bei Starkregen. Wie gross sind die realen Einleitungen ungereinigten Abwassers?

Antwort des Bundesrates:

1) Der Anteil der Kanalisationen im Trennsystem liegt, bezogen auf die Bevölkerungsanteile, bei 40 bis 50 Prozent.

2-3) Schweizer Kläranlagen behandeln jährlich rund 6’300 Tonnen Phosphor. Nach der Reinigung gelangen etwa 580 Tonnen pro Jahr in die Gewässer. Bei starken Regenfällen kommen zusätzlich rund 80 Tonnen pro Jahr durch Mischwasserentlastungen aus ungereinigtem Abwasser hinzu.

Gemäss Agroscope stammten im Jahr 2020 schweizweit rund 16,5 Prozent der gesamten Phosphorfracht in Oberflächengewässern aus Kläranlagen (14,5 Prozent) und Mischwasserentlastungen (2 Prozent). Die restliche Fracht stammt aus natürlichen Quellen ohne menschlichen Einfluss (61 Prozent), den Einträgen aus der Landwirtschaft (13 Prozent) und anderen Quellen, wie beispielsweise der Auswaschung aus Flächen mit unproduktiver Vegetation (9,5 Prozent).

Für die Gewässerqualität ist vor allem der Eintrag von gelöstem Phosphor relevant, weil dieser den Sauerstoffgehalt der Gewässer wesentlich stärker senkt. Beim gelösten Phosphor sind die Anteile aus Kläranlagen (41 Prozent), Mischwasserentlastungen (6 Prozent) und der Landwirtschaft (27 Prozent) deutlich höher.

 

4) Je nach Landnutzung im Einzugsgebiet eines Sees stammt die Hauptfracht des Phosphors aus der Siedlung oder der Landwirtschaft (vgl. Antwort des Bundesrates auf die Interpellation Weichelt 23.4263 «Schutz der Gewässer vor Wassertemperaturanstiegen und zu hohen Nährstoffeinträgen»). Die Auswirkung der klimawandelbedingten Zunahme stärkerer Niederschläge auf die Anteile der Phosphoreinträge in Gewässer ist schwierig abzuschätzen. Einerseits erhöhen sich die entlasteten Mischwassermengen und damit, wenn auch in einem geringeren Ausmass, die eingetragene Phosphorfracht aus häuslichem Abwasser. Andererseits erhöht sich auch der Oberflächenabfluss und damit die Einträge durch Abschwemmung.

 

5) Aufgrund des langen Erneuerungszyklus von Anlagen der Siedlungsentwässerung ist der Klimawandel bei alten, bestehenden Anlagen in der Dimensionierung noch nicht berücksichtigt. Deshalb ist davon auszugehen, dass häufigere und stärkere Niederschläge ohne Massnahmen künftig zu mehr Mischwasserentlastungen führen. Der Bundesrat hat diesen Handlungsbedarf bereits 2012 in der Strategie zur Anpassung an den Klimawandel aufgezeigt und in den Aktionsplänen von 2014 und 2020 festgehalten. Seit 2025 unterstützt der Bund mit dem Programm Adapt+ Projekte und Massnahmen zur Verringerung klimabedingter Risiken.

Die künftigen Niederschläge sind heute in den massgebenden Bemessungs- und Planungsgrundlagen für Abwasseranlagen berücksichtigt. Neue Konzepte wie die Schwammstadt werden in Zukunft ausserdem eine wichtige Rolle spielen. Sie helfen, Regenwasser im Siedlungsgebiet zurückzuhalten und verdunsten oder versickern zu lassen. Dadurch gelangt weniger Regenwasser in die Kanalisation, und es stehen zusätzliche Rückhaltekapazitäten für Oberflächenabfluss bei Extremniederschlägen zur Verfügung.

 

6) Der Bundesrat erachtet es nicht als zielführend, eine schweizweite Import-Export-Bilanz einzuführen, um den Stoffeintrag aus Mischwasserentlastungen zu berechnen.

Schweizweit gelangen jährlich rund 80 Tonnen Phosphor über Mischwasserentlastungen in die Gewässer, was etwa 2 Prozent des Phosphors aus häuslichem Abwasser entspricht. Die bestehende Schätzmethode, welche die mittleren Phosphorfrachten pro Einwohnerin oder Einwohner sowie den Abwasseranteil in Mischwasserentlastungen auf Gemeindeebene berücksichtigt, ist für eine gesamtschweizerische Betrachtung robuster als eine Bilanzierung über Phosphorkonzentrationen im Klärschlamm, die mit grossen Messunsicherheiten behaftet ist.

Zudem müssen die Kantone die lokalen Eintragsquellen analysieren, falls ein Gewässer nicht ausreichend gegen stoffliche Einträge geschützt ist. Eine schweizweite Bilanzierung ist dabei aufgrund der grossen örtlichen Unterschiede nicht hilfreich.

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Pascal Schmid
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